December 2011
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Das Fremde vor meiner Tür
Ich sehe nichts
ich fühle nur
was immer ist
und unerhört
die Tage frisst
es ist mein Schwur:
ich gehe
nur, wenn niemand mich mehr sieht
durch meine Tür,
mein Seelenschild,
das mich vor all und dem bewahrt,
was außen sein, vermag und ist,
ich bin es nicht,
der dort noch wohnt,
geschützt vor‘m Wind
und wehe
einer kennt mein Bild,
erinnert meine Gegenwart:
ich bin schon tot,
für alle die, die nie die...
April 2011
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ohne Freud und Feind
Hallo. Ich bin ein Multifunktionsfreud, man kann mich hegen, pflegen, und ab und zu verlegen, wenn Aufrichtigkeit nicht gefragt oder zu beantworten
sein sollte, was auch immer Haupt- oder Kopfsache ist, Gefühl zählt nichts, zahlt nur die Zeche, den Kater im Nacken, er schnurrt noch, im Stillen. RPK 200411
March 2011
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Im Land der untergehenden Sonne
Es wirkt kein hergebrachtes Schild: Der Mensch ist nicht aus grauem Blei. Im Auge noch das bleiche Bild von Nagasakis Konterfei. Als Schatten legt es sich anbei in strahlend helle Gräben. Das Leben schmilzt zu schnell vorbei an kontrollierten Stäben. Die Bäuerin pflückt den Salat aus grünem, unsichtbarem Tod; auf jedem Blatt klebt der Verrat an Hiroshima, falschem Jod und Caesium. Aus...
Richtungsweisend
Im Norden eines altvertrauten Tages hatte ich die Nacht gefunden. ich grüßte sie noch kurz, sie wanderte südwärts, entgegen aller Erwartungen kam ich im Osten an einen neuen Morgen, der kaum geboren schon im Westen versank. RPK 080311
Lidschatten
Leise legen sich die Lider auf den müden blauen Ball. Jedes Sehen ihm zuwider sehnt er sich nach schwarzem All, in dem das Auge trocken bleibt. Leise lege ich mich nieder, warte auf den letzen Knall, bis unverhoffte Stille wieder mich im Jenseits einverleibt. RPK 080310
verbewundenhaftiges
unverliebtgestanden liebvertollteserlei denabendvordemloben mordenverbringmichum denstrandversandet esimmermeerimmermehr imlandgrenzenlosge tretengeadeltvonfüßen imfeuerunverzeihlich terhöllenwärmeinschick salpeterduftbetörtden nochbestehendendentag. RPK 080311
February 2011
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Unter Ginkgobäumen
Ich war mir sicher,
dass dort das Haus stand, mit amerikanischen Briefkästen und zu vielen Parkplätzen davor; ich dachte immer, das passt: viel Freiraum.
Doch da war keines. Ich ging zur letzten Kreuzung, fand den Spielplatz mit der Schaukel und ging zur nächsten Kreuzung, die im Labyrinth der gepflasterten, verwinkelten Straßen des Wohngebietes im Dunkeln immer schwer zu finden war. Ich kannte...
January 2011
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checkmate
e2e4?! ich weiß nichts mehr von Dir alles ist schwarz geworden in Rauten Läufer ohne Ziel Springer sind mir sympathisch sie überwinden Hindernisse Rochade, versteck den König hinter dem Bauern der in Furchen die Saat nicht mehr findet ++ 0:1 RPK 210111
Untragbar
Was kann uns tragen? sind wir zu leicht fertig mit uns ohne zu fragen war ich zu seicht in altem Farbenbund schwarzweiß geworden was ist schon leicht zu ertragen, gewesen bist Du nie wirklich Gegenwart: ein Hund zerfleischt die Horden die noch gar nicht wussten vom Schlund. Ich sehe nur das Licht, an dunklem Tag gelesen. Was einmal war, das endet ziellos unverbunden unverbindlich, nur verwendet...
November 2010
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insofern
kein vorwurf oder nachruf: insgeheim noch lebendig, weder tot; Mal geboren in Freude aus alten Tagen und übernächtigt ist die Sonne nun ertragen, und ich sehe dennoch Licht
nach allem bleibst Du ungefähr
so hell wie eine Kerze die nicht mehr brennt aber noch wärmt. RPK 201110
fürwahrgenommen
du sagst kein wort nur hin und wieder bin ich habenichts als dich im sinn verloren endlos gerne frage ich nicht nach was wäre wenn du nicht mehr währst als ich dich kennen lernen mochte und du warst und bliebst als ob sonst nichts mehr sei? RPK 151110
October 2010
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Herbstzeitlose
Es ist ein Tag wie gestern, jeder graut und dämmert in die Nacht. Die Zeit vergeht, ein Schuh aus Leder hat den zähen Schritt gemacht, der jeden Morgen wieder näher bringt und gestern schwinden lässt. Das letzte Korn hackt noch der Häher aus dem kargen Feld; durchnässt liegt jeder Halm in seiner Welt aus spät geträumter Blüte. Der Himmel schlägt sein graues Zelt, als ob er noch behüte, was bald...
May 2010
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klangfarben
weiche tasten unter fingerkuppen: fühlen in moll harte stiefel, pedaltruppen marschieren gleich im schritt und dämpfen doch den tag sie lassen ihn klingen so dass ich nicht mehr frag was alles soll was alles aus dem tritt und nie geraten ist was vor mir lag doch niemals kam. und war der tag auch stumm und trist: die nacht kann seine farben singen
wenn du in ihr und bei mir bist. RPK 310510
unaussprechliches
ich spreche dich nicht mehr an und betrachte das stundenglas. nichts kann zerbrechen, was die zeit zusammen hält nichts verspricht mehr als wir am anfang wussten was gehst du mich an frage ich und antworte mit einem alten tag, der schläft im moos, in dem ich liege jedes blatt ein jahr, jedes ist für immer wahr und haftet,
wächst mir über den kopf, der im dickicht versinkt im stundenglas...
Nachwintertag
Die Welt liegt heute in Felsen, brüchig und grau. Starr schläft sie im Frühligswind, der seine Leichtigkeit verewigt, wenn er durch ihre Furchen streift. So ist doch jede ihrer Narben nur ein Weg aus kalter Zeit und jeder Sturm, der sie durchfährt, der Spuren zeichnet auf der Stirn das Leben selbst, das Trümmer von der Seele fegt, zerbricht, als Sand zum Abend trägt und dann in deine Augen...
April 2010
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Es klappern die Knochen im trockenen Grab
Es sprudeln die Gifte im Blausäurebach plitsch platsch - plitsch platsch Im Sarg wird der Müller wohl nimmermehr wach ruh sanft - ruh sanft Er trank zu viel Korn und auch Fusel zur Not gluck gluck - gluck gluck denn hatte er solchen, da mocht er kein Brot nie mehr - nie mehr - nie mehr. Flink tauen die Gletscher und werden schön klein plitsch platsch - plitsch platsch und gehen auf Reisen nach...
February 2010
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Licht und Schatten
Der Mond verschreit die leise Nacht, und ab und an reiht er sich ein in andere Gestirne. Hab Acht, der helle Tag wohnt still und schneeverhüllt, der Firn bricht über jener Nacht, die jemand jemals wecken will. Hab Acht, der Argwohn ist ein Schlund, der frisst auch noch das letzte Licht, bis nichts und niemand Dich erkennt; Du bist ein Opfer, das die List im Licht der dunkelblauen Flamme im...
January 2010
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Wermut (Auszug)
Der Zucker brennt, ver- sinkt in einem Glas Absinth mit Wasser, trüb und selig bin ich dort mit mir im Reinen angesichts der grünen Fee; sie winkt mir zu: im Spiegelbild des löchrig heißen Löffels. RPK 250110
December 2009
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Anastasia
Ich sende einen letzten Gruß, dann leg ich Deine kalte Hand zum Schlafen in das Händeland; dann nehm ich Deinen starren Fuß und lege ihn zur Spur im Sand; dann schließ ich Deine stillen Augen, lege sie zum Erdenbraun. Wenn einst die Tage nicht mehr taugen, bitter mir die Zeit vergällen und das Leben aus mir saugen, werd ich mich zu ihr gesellen. Ich sende einen letzten Gruß, dann nehm ich ihre...
November 2009
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Ausgeflogen
Wenn aller Schall im Wabental verklingt, ist wohl das letzte Lied vom Tag gesungen. Er stirbt und steht, ist betoniert in Rinnen; Der Wiederhall schmiert Honigsaft ums Maul. Komm sage mir zuletzt wohin Du fliegst - Ich seh Dir nach und bleibe wo ich bin. RPK 011209
Bedeckt, gehalten
Heute ist kein Wort zu finden: es schneit Buchstaben die in der Luft hängen, sich nicht niederlegen; ein Gedicht wird so nicht entsetzen, was belagert und bare Füße im Feuer schürt. Einen anderen Tag werde ich suchen, antworten, versuchen, verantworten kann ich heute nur eine Decke aus Schnee. RPK 111109
Greenback
Hinter meinem grünen Rücken verspielte Tage: neckisch, im Nacken
vertrackt, verletztlich entsetzlich bar und unbezahlbar stehst du bei mir. Lehn Dich an, ich bin direkt hinter Deinem grünen Rücken. RPK 011109
October 2009
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Die...
Ich spiele gerne und auch viele Spiele, wo es Preise gibt: Verliebt bin ich in Poker, Lotto, Motto ist: Wer teilnimmt, siegt, wie Krieg führ ich das gerne aus: mein Einsatz gegen alle Welt, gewinne ich auch nie ein Haus, das Zocken ist, was mir gefällt. Ich bin davon erregt, befallen, infiziert mit Ebola, das Hauptsymptom ist Preisekrallen, in des Lebens Tombola. So kam es, dass ich eines Tages...
Entsetzliches
Krumen besatzen zu hungrige Haut, das Salz bereut die Gier. Blumen bewachsen zu ebenes Beet, die Biene befruchtet die Flucht. Samen entfliegen zu künftigem Leben, der Keim erstickt im Schlick. Rahmen entsetzen zermalte Burgen, das Bild bewahrt den Tag. RPK 081009
September 2009
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abgedichtet
das Fenster liegt im Rahmen und verglast den luftleeren Raum. eingebettet in sprödem Kitt ist die Welt wohl doch eine Scheibe.
RPK 200909
Lebendig begraben
Das Licht verhängt wie schwere Strafe nachts ein dichtes Samtgewand. So sehr ich tief und dunkel schlafe, streicht im Traum die sanfte Hand des Tages sacht an mir vorbei. Er hat mich doch im Grab entdeckt, und wacht nun vor dem Konterfei, das sich im Leinentuch versteckt. Er sieht die Augen hinter Lidern, spürt den Atem in der Gruft; Der Tod kann Leben nichts erwidern wittert es noch Morgenluft....
Kaffeesatz
Die leere Tasse neben mir verströmt noch ihren letzten Duft. Als wär die Welt aus Röstaromen fein gemahlen, endlos warm, ergründe ich im Bodensatz woraus sie wirklich ist. RPK 080909
Ausgrabung
Schwere, nasse Erde beiseitewischend fand ich ein Ross aus Gold und ritt mit ihm den Abend lang ins Trockene. Zur Nacht lege ich es behutsam zurück in seinen Stall aus Zeit. Morgen, aus einem Acker und Licht wächst bestimmt erneut Geschichte um Geschichte und erzählt von nasser Erde als wäre es Gold. RPK 070909
(für Maria)
Fernweh
Wenn alles steigt und wieder fällt ist es die Ferne, die mich sonnt, wenn mich die Nähe nicht mehr hält. Ich bin zu Haus am Horizont, an ihm entspringt das Licht der Welt und bricht im Abendrot zu Scherben. Wie gerne hätt ich dort mein Zelt und könnte frei von Mauern sterben. RPK 060909
August 2009
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Datum: 28.08.2009 Veranstaltungsbeginn: 19:30 Uhr Einlass: 19:00 Uhr Wetterauer Autorenclub “Stories in Aspik” Ort: Stadtbücherei Bad Nauheim
Preis: 5,00 € Kartenvorverkauf: Stadtbücherei Bad Nauheim Veranstalter: Stadtbücherei Bad Nauheim
Hülsonett
Hängt von einem kaum begonnenen Sonett die zweite Zeile schonmal prächtig in der Luft, dann ist zur dritten sicher kaum mehr eine Kluft: ich weiß, nur vierzehn solche, und ich darf ins Bett: So wächst aus Nichts ganz schnell ein weiteres Quartett was arg geschmeidig und sogar zu lesen ist, ganz ohne reißend böses Tier, das Wesen frisst - oh nein, ich halt es lieber friedlich und adrett. Der...
Tiffany
Ich sehe Dich durch Fensterglas, das splitternd noch im Rahmen hängt. Bevor Dein Blick sich an mir schneidet, weil er blind in Träumen denkt, lass ich nicht zu, dass Licht erleidet, was das Dunkel schon vergaß.
Du bist noch Morgentau im Gras, der tröpfchenweise Leben schenkt, der abendmüde Mäuler weidet und auf neue Wiesen lenkt. Ich hatte mich schon fast beneidet, bis ich in den Scherben las....
June 2009
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Seerose
Entfaltet auf dem kalten See, der, oberflächlich angespannt, nur das nicht in die Tiefe zieht, was er gern tragen mag, so liegt sie da und strahlt, als wäre ihre gelbe Seele niemals sterblich eingehüllt: astral. Kaum glaublich wäre es für mich, wenn sie dort unterginge; allzu schön schwimmt sie doch dort bloß auf dem stillen, festen Glauben an die Leichtigkeit nie fort.
RPK 090609
Über Tasten
Der Schmetterlingsflügel staubt zwischen meinen Fingern sie wollen fliegen über Tasten aber kein Ton ist bunt ich muss einen Nachtfalter gefangen haben. Ich lasse ihn los, schon nächste Nacht ist Vollmond. RPK 080609
December 1969
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Impressum
Anbieter: Roland Peter Kellner Niedwiesenstraße 60 a 60431 Frankfurt am Main Kontakt: Telefon: 069 / 26022300 e-Mail: rolandkellner(at)web.de Website: www.gedichteforen.de Verantwortlich nach § 6 Abs.2 MDStV Roland Peter Kellner Niedwiesenstraße 60 a 60431 Frankfurt am Main
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