Ich spiele gerne und auch viele
Spiele, wo es Preise gibt:
Verliebt bin ich in Poker, Lotto,
Motto ist: Wer teilnimmt, siegt,
wie Krieg führ ich das gerne aus:
mein Einsatz gegen alle Welt,
gewinne ich auch nie ein Haus,
das Zocken ist, was mir gefällt.
Ich bin davon erregt, befallen,
infiziert mit Ebola,
das Hauptsymptom ist Preisekrallen,
in des Lebens Tombola.
So kam es, dass ich eines Tages
wie erhofft etwas gewann:
Bei Tchibo, (fürchte, daran lag es),
leider nur ne Kaffekann.
Sie war aus feinstem Porzellan,
auf englisch “China”, stand auch drauf,
dass man sie importieren kann
containerweise und zuhauf,
das war mir jedoch ganz egal:
Ich hatte sie umsonst ergattert,
stellte sie in mein Regal,
und war vor Glück erst ganz verdattert.
Doch umso böser das Erwachen,
anderntags beim Frühstücksbrot,
ich mag gern Tee und solche Sachen,
Kaffee nichtmal in der Not,
den andren schmeckt er, macht sie munter,
während ich von ihm nur zitter,
nein, Kaffee krieg ich nicht runter,
viel zu schwarz und viel zu bitter.
Meine Zockersiegerfreude
war nun also leicht getrübt.
So fasste ich mir den Entschluss:
ab heut wird Kaffeebrüh’n geübt.
Als Teegourmet war mir bewusst:,
Du brauchst für jedes Heißgetränk
ein Wasser, das Du kochen musst,
bevor ich mich dann weiterdenk.
Der Zubereitung zweiter Schritt,
war dann ein weißer Mullverband.
ich hatte mir die Hand verbrannt,
worunter meine Laune litt.
Noch während ich die Wunde kühlte
dachte ich: gib noch nicht auf!
beherzt griff ich zur Kaffeemühle,
ließ dem Mahlwerk seinen Lauf,
Und siehe, Resultat war endlich
feines, braunes Kaffeemehl,
das roch verbrannt und sehr befremdlich,
und was ich auch nicht verhehl,
das Kurbeln war ein echtes Plagen,
nun hatte auch die andre Hand
Verletzungen davongetragen,
da ich nun Blasen an ihr fand.
Doch war mein Ziel nun fast erreicht:
ich warf das Pulver in die Kanne,
hab’s mit Wasser eingeweicht,
doch leider gab es eine Panne,
die wurd mir sogleich bewusst,
als ich den Filter liegen sah,
verspürte elendigen Frust,
dass mir dies Missgeschick geschah,
die Reihenfolge meiner Schritte
schien nicht ganz korrekt zu sein,
ich sah zum Himmel, sagte bitte,
lass oh Herr mich nicht allein,
und sende mir ein Gotteszeichen,
ich geh auch Sonntag in die Mette,
stell mir nur die rechten Weichen,
wie ich meinen Kaffee rette!
Und kaum hatt ich den Schwur getan,
da kam mir diese Blitzidee,
ich nahm die Kanne wie nen Schwan,
und ließ ihn kotzen: Jenen See
aus Kaffepulveraufbrühpampe
durch den Filter aus Papier,
ein Trichter diente mir als Rampe,
eine Tasse als Quartier,
für das, was sich dort sammelte:
mein erster eigener Kaffee!
Was ich zum Herrgott stammelte,
erschien wie eine schwarze Fee
in meinem kühnsten Zockertraum:
ich hab den Jackpot ausgetrunken,
spiele seither nurmehr kaum,
viel lieber schlürfe ich versunken
frisch gebrüht Arabica.
“Guatemala, pro Person
ein Ticket nach Amerika!”
Ich nehm nicht Teil, da bin ich schon.
RPK 311009