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Unter Ginkgobäumen

Ich war mir sicher,

dass dort das Haus stand, mit amerikanischen Briefkästen und zu vielen Parkplätzen davor; ich dachte immer, das passt: viel Freiraum.

Doch da war keines. Ich ging zur letzten Kreuzung, fand den Spielplatz mit der Schaukel und ging zur nächsten Kreuzung, die im Labyrinth der gepflasterten, verwinkelten Straßen des Wohngebietes im Dunkeln immer schwer zu finden war. Ich kannte alles und fand nichts.

Nur ein Baum stand an der Stelle, wo sie wohnte, und auch den kannte ich, wenn auch nicht von hier. Ich hatte ihn im Frühsommer 1990 in Weimar gesehen, unverkennbar seine urzeitlichen Blätter, und ich wusste noch wie gestern, wie ich erstmals eines prüfend in der Hand hielt und es nicht von dieser Welt fand.

Ein Leben später sah ich es in einem botanischen Garten wieder, und auch das Wiedersehen war nicht von dieser Welt. Ich war glücklich, nur mit einem lange vergessenen Blatt und ihr.

Ich steige in meinen Mercedes und fahre. Davon? Wie damals, denke ich, es war noch ein Golf. Ich war noch ein Golf, würde sie heute sagen, mit Benzfahrern redet sie nicht gern, vielleicht sollte ich mir Gedanken machen, nicht dass es sie angehe oder gar berühre - aber sie mache sich schon Sorgen. Um wen? In der Ablage unter der Augenahornapplikation liegt das Ginkgoblatt und ist ewig, es hätte auch in keinem Golf andere Anmut gehabt, und der Benz war ein Zufallskauf. Ich bin nicht anders, ich finde nur nicht mehr zu ihr.

Dabei war ich mir sicher,

dass wer sich einmal am Fuße eines Ginkgobaums gefunden hat,
sich nie mehr verliert.

RPK 010311

RPK 010311


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